Ich befinde mich in einer Klinik. Mein Zimmer ist düster, meine Zimmergenossin redet viel. Ich schweige. Wir sind beide wegen Magersucht da.
Essenszeit. Wir sitzen an dem großen Tisch. Sie, ich, eine Betreuerin. Eine andere bringt uns unser Essen. Ich bekomme ein Glas Apfelsaft, sie ein Glas Apfelsaft und ein wenig Frühstück. Mein Frühstück steht vor meiner Betreuerin.
Ich trinke meinen Saft, schweige. Ich will dieses kleine Stückchen Apfel essen, was in dem Joghurt mit Müsli eingebettet liegt. Ich greife es mir mit der Gabel - es passt gerade mal auf eine Sprosse - und esse es langsam.
Sie schreit rum. "Sunny hat gar keine Magersucht. Sie ist so fett und isst, sie lügt nur."
Natürlich, das wusste ich vorher auch schon. Ich bin einfach zu fett, zu gefräßig und zu dumm.
Ich ziehe mich zusammen. Alles in mir ist hohl, fühlt sich leer und abgestumpft an. Mein Kopf stützt sich mal wieder auf meine Hand.
"Sag doch was!"
Ich schweige.
"Was ist denn los?"
Ich schweige. Starre gegen die Wand.
Wenn sie nur wüssten, dass meine Depressionen schlimmer werden.
Im Zimmer meiner Betreuerin.
"Sunny, wir können dich nicht behalten. Du musst nicht in eine Klinik für Essstörungen, sondern in eine für Depressionen."
Ich schreie. Kreische. Alles fällt zusammen.
Sie zeigt mir meinen Einweisungsschein. Hält ihn mir direkt vor's Gesicht.
Ich darf nicht hier bleiben. Weil ich zu dick bin. Und zu viel esse.
Stattdessen komme ich weit weg, in eine Klinik, wo es nur um meine Depressionen geht. Ich hasse es. Ich will da nicht hin. Ich trete. Schreie. Werde plötzlich ruhig, weil ich innerlich falle. Dann schreie ich wieder, krümme mich.
Und wache schweißgebadet auf.
Mein Papa steht vor meiner Tür.
"Guten Morgen, Sunny, aufstehen!"
"Bin schon wach, danke! Ich komm gleich", singe ich ihm entgegen. Wenn er nur wüsste..
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